Freitag, August 04, 2006

Liebesgrüße aus Beirut?

Wer hat es groß in den Medien gehört? Aber es wurden zeitlich synchron Bomben in Zügen im Raum Dortmund und Koblenz gefunden. Wie immer wird das von Verantwortlichen kleingehalten und ich denke, falls es sich um einen terroristischen Hintergrund gehandelt haben sollte, dann wird uns unsere Bundesregierung auch nicht darüber aufklären, sondern ihr Wissen im Archiv von Staatskanzleien versickern lassen...

Aber zum Glück gibt es (mal) die Süddeutsche Zeitung, sie berichtet, dass

in einem der Sprengstoffkoffer eine Plastiktüte mit Aufdrucken in arabischen Schriftzeichen entdeckt [wurde]. Ersten Erkenntnissen der Ermittler zufolge stammt die Tüte aus Libanons Hauptstadt Beirut.

Laut Bericht der Süddeuten sträubt sich die Bundesanwaltschaft dazu Stellung zu nehmen, dementierte aber mit Nachdruck, dass sie einen terroristischen Hintergrund ausgeschlossen hätte. Es beständen aber noch etliche Ungereimtheiten:

Unklar ist den Fahndern, wie der Fund der Plastiktüte einzuschätzen ist. Terroristen, die auf ihre Forderungen aufmerksam machen wollen, tun das normalerweise nicht nebenher, indem sie eine Plastiktüte liegen lassen, sondern setzen ein unmissverständliches Zeichen. Außerdem wäre die Tüte bei der Detonation der Bombe vermutlich bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, berichten Experten.

So sehr unklar finde ich das eigentlich gar nicht. Die Täter wollten gar nicht, dass die Bomben detonieren und hinterließen einen sehr diskreten Hinweis ihrer Idendität, nach dem Motto "Merkel schau her, was in Spanien passierte, kann auch in Deinem Land passieren". Ich denke, soetwas verstehen Länder wie Iran oder Syrien unter "geheimer Diplomatie". Ein offener großangelegter Terroranschlag wäre aber momentan aus deren Sicht nicht lohnend, da dies oft nur einen diametralen Stimmungswechsel in der Bevölkerung erzeugt. In liberalen Gesellschaften würden konservative Stimmen mehr Gewicht bekommen, in konservativen Gesellschaften liberale Stimmen. Ein Terroranschlag würde sich also aus der Sicht Irans oder Syriens nur lohnen, wenn A) die deutsche Regierung maßgeblich Aktionen unterstützen würde, die den Regimes abträglich sein können und B) dieses Vorgehen einen sehr starken Rückhalt in der Bevölkerung hat. Deshalb ist in der momentanen Situation nicht mit offenen Terror zu rechnen, da dadurch nur die "proislamische"* Gesellschaftshaltung sich nur umkehren würde.

Ich will hoffen mit meiner Einschätzung recht zu haben, auch wenn es aus sachlicher Sicht unbefriedigend ist immer nur Reagieren zu können und "dunklen Mächte" das Agieren und die Wahl der Mittel zu überlassen.


*problematisches Wort, mir fiel aber kein besseres Wort ein. Gemeint ist die Parteinahme für Hezbollah und indirekt auch für Syrien und Iran durch große Teile der Bevölkerung (oder genauer der Medien)

Satire: Reaktionen von Bombenlegexperten (Propangasbomben? -"wann je zuvor wurden solch merkwürdige 'Bomben' verwendet?" oder "[Die] Bombenleger waren zwar ziemlich dilettantisch bei ihrem Bombenbau") waren skeptisch und verdächtigten wie gewohnt die CIA oder "den Judenstaat"...
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